CDU Stadtverband Hechingen

Nach dem Modellversuch weiterhin ohne Autos? Bürgermeister nimmt Stellung

Der Süden lässt grüßen auf dem neu möblierten Hechinger Marktplatz. Auf Einladung des CDU-Stadtverbands haben sich Kommunal-, Landes und Bundespolitiker ein Bild gemacht.Der Süden lässt grüßen auf dem neu möblierten Hechinger Marktplatz. Auf Einladung des CDU-Stadtverbands haben sich Kommunal-, Landes und Bundespolitiker ein Bild gemacht.

Ein Sommer mit Sandkasten, Sitzgelegenheiten und Lampions und vor allem ohne Parkplätze. Bleibt es so auf dem Marktplatz von Hechingen? Die Bevölkerung kann online ihre Meinung sagen, und die Geschäfte werden auch noch befragt.

Weint jemand den neun Parkplätzen auf dem Hechinger Marktplatz nach? Man kann sich durchaus vorstellen, dass ein Teil der Geschäftsleute mit dem Aus für Autos hadert. Der Einzelhandel wird nach der Sommerpause von der Stadt gezielt befragt. Bereits begonnen hat eine Online-Umfrage, an der sich die gesamte Bevölkerung beteiligen kann. Beide Ergebnisse werden in die Entscheidungsfindung des Gemeinderats einfließen. Das Kommunalparlament soll im Herbst den Daumen heben oder senken: War der Modellversuch erfolgreich, oder sollen etwa die Autos wieder her in der guten Stube der Zollernstadt?

CDU-Abgeordnete im Doppelpack in Hechingen

Ein Stimmungsbild gab es beim Vor-Ort-Termin der CDU am Mittwochmorgen. Der Stadtverband hatte im Rahmen der Sommertouren gleich Parlamentarier im Doppelpack eingeladen: Christoph Naser, seit zwei Monaten Doch-noch-Bundestagsabgeordneter für Tübingen-Hechingen, und Manuel Hailfinger, langjähriger Landtagsangehöriger für Hechingen-Münsingen. Während sich der Mann aus Stuttgart eher zurückhielt, machte Christoph Naser eindeutig Werbung für den autofreien Marktplatz.

Bürgermeister Philipp Hahn, ebenfalls Christdemokrat, kündigte nach den Befragungen eine „wichtige Entscheidung“ nach der Sommerpause an, ließ aber erkennen, wohin die Reise seiner Ansicht nach gehen soll: Kurzfristig sollte sich am jetzigen Zustand nichts ändern, die Parkplätze und die Durchfahrt blieben also gestrichen. Zumindest mittelfristig. Es braucht einen längeren Atem. Erst, wenn man auch abends auf dem Marktplatz bewirtet wird, dürfte die Sache richtig rund sein. Immerhin, das Café mit Katzen in der früheren Strumpfboutique ist im Werden. Parkplätze gibt es in der direkten Umgebung reichlich: auf dem Kirchplatz, dem Parkdeck Münzgasse und beim Jugendzentrum.

Hahn erinnerte daran, dass es sich um einen vom Land kräftig mitfinanzierten Modellversuch handelt: Die enorm gesteigerte Aufenthaltsqualität spreche alle Generationen an und solle für mehr Frequenz und damit auch für mehr Kunden für den Einzelhandel sorgen. Hechingen, so betonte das Stadtoberhaupt, sei beileibe kein Einzelfall mit seiner darbenden Innenstadt. Auch in Balingen und sogar in Stuttgart gebe es Leerstände. Hahn: „Alle Städte haben das gesamtgesellschaftliche Problem, dass die Leute im Internet kaufen.“

Der Marktplatz soll auch barrierefrei werden

Manuel Hailfinger brachte die 324.000 Euro ins Spiel, mit denen das Land die „Möblierung“ des Marktplatzes unterstützt hat. Dass Hechingen weiterhin auf Geld aus Stuttgart baut, schob Philipp Hahn nach: Der Pflasterbelag ist absolut nicht barrierefrei. Selbiges soll der Marktplatz noch werden. Wie praktisch, dass Christoph Kühner und sein CDU-Stadtverband sich gemeldet haben für einen Halt der Abgeordneten auf ihrer Sommertour. Die nämlich steht unter der Überschrift „Innenstädte, Stadtbild und Straßenverkehrsinfrastruktur“.

Metzger macht auf Teil-SB, Neubauten bringen viele Wohnungen

Christoph Naser, zu Hause in Bodelshausen, war beileibe nicht zum ersten Mal vor Ort und ist begeistert. „Mir gefällt das total gut“, kommentierte der Mann für Berlin aus dem Wahlkreis Tübingen-Hechingen. Bürgermeister Philipp Hahn verwies auf eine Reaktion aufs veränderte Einkaufsverhalten: Die Metzgerei Huber hat umgebaut zur teilweisen Selbstbedienung. Mutig und durchaus Erfolg versprechend. Davon hat sich jüngst sogar der Reutlinger Oberbürgermeister ein Bild gemacht. Hahn warb für flexiblere Öffnungszeiten auch am Sonntag. Das wiederum ist ganz die Sache von Manuel Hailfinger und seiner Ministerkollegin Nicole Hoffmeister-Kraut. Stadtrat Ronny Stengel zeigte auf die frühere Hofapotheke, fast das zweite Rathaus, und die privaten Neubauten am Rain: Es geht etwas am Marktplatz!

Ob es die Bevölkerung und die auswärtigen Besucher ausreichend würdigen? Der Bürgermeister sagte, man solle das Glas immer als halb voll und nicht als halb leer betrachten. Hahn: „Wenn wir nichts tun, haben wir gar keine Chance.“